Neuerscheinungen bei Breitkopf & Härtel

Im zweiten Halbjahr 2021 erscheinen weitere Urtext-Editionen von Raff-Werken. Es sind dies die «Six Morceaux» op. 85 für Violine und Klavier (u.a. mit der berühmten «Cavatina») und die Sonate für Klavier und Violoncello op. 183.

Herausgeber der «Six Morceaux» sind unser Archivleiter Severin Kolb und Stefan Kägi. Neben Joachim Raff findet sich ein weiterer Schwyzer Komponist im Katalog der Neuerscheinungen: Othmar Schoecks Sonate für Bassklarinette und Klavier op. 41 wird ebenfalls in einer Urtext-Edition erscheinen.

Weiter zum Katalog der Neuerscheinungen bei Breitkopf & Härtel…

Ein Halbjahresprogramm voller Höhepunkte

Die Joachim-Raff-Gesellschaft freut sich auf das zweite Halbjahr 2021 mit vielen musikalischen Live-Erlebnissen! Ein fulminanter Start gleich nach den Sommerferien: Am Samstag, 28. August 2021, treten Äneas Humm (Bariton) und Judit Polgar (Klavier) um 19.30 Uhr im Evang.-ref. Kirchgemeindehaus in Lachen auf. Ein romantischer Liederabend mit Kompositionen von Joachim Raff, Clara Schumann, Franz Liszt und deren heute fast vergessenem Zeitgenossen Robert Franz. Als weitere Besonderheit erklingen Lieder von Martha von Castelberg.

Auch die Reihe „Musikseminare“ – die Pilotveranstaltung wurde vor den Sommerferien erfolgreich durchgeführt – findet seine Fortsetzung. Die Seminare dienen auch als Konzerteinführung für die Abendveranstaltungen. Peter Grob stellt am Samstag, 28. August 2021, um 10.00 Uhr die Martha von Castelberg-Stiftung im Joachim-Raff-Archiv vor. Dazu ergründen wir das Kunstlied der Romantik. Das Platzkontingent ist beschränkt – eine Anmeldung unter info@joachim-raff.ch ist notwendig.

Das Veranstaltungsprogramm für das 2. Halbjahr 2021 kann hier heruntergeladen werden.

Neueinspielung der Sinfonietta

Die Jenaer Philharmonie spielt unter der Leitung ihres Generalmusikdirektors Simon Gaudenz die Sinfonietta op. 188 von Joachim Raff neu ein. Mit der Serenade op. 104 von Salomon Jadassohn und dem Nonett op. 40 von Gustav Schreck werden zudem zwei Welt-Ersteinspielungen auf CD aufgenommen.

Die Bläsersolisten der Jenaer Philharmonie und GMD Simon Gaudenz

Link zur Jenaer Philharmonie…

JRG lanciert neue Workshop-Reihe!

Mit einer neuen, etwa alle zwei Monate stattfindenden Workshop-Reihe wendet sich die Joachim-Raff-Gesellschaft an Musikliebhaber jeglicher Vorbildung. Stefan Kägi und Severin Kolb geben am Samstag, 3. Juli 2021, um 10.00 Uhr im Joachim-Raff-Archiv den Startschuss mit einer Spurensuche – «Eine Notenausgabe entsteht». Die Platzzahl ist beschränkt, eine Anmeldung ist erforderlich.

Archivleiter Severin Kolb und Stefan Kägi bei der „Spurensuche“.

Wie verlief im 19. Jahrhundert eigentlich der Weg von den ersten Ideen eines Komponisten bis zum Druck eines fertigen Werks? Welchen Einfluss hatten die Verlage auf das Musikleben? Warum kommen bis heute immer wieder neue Ausgaben von Werken Beethovens oder Mahlers auf den Markt? Wie entsteht eine moderne Notenausgabe – welche Typen gibt es?

Tauchen Sie ein in die faszinierende Welt der Musikverlage, die bis heute einen erheblichen Einfluss auf das Musikleben ausüben.

Vorfreude auf 2022

Zum ersten Mal in ihrer fast 50-jährigen Geschichte fand die Generalversammlung der Joachim-Raff-Gesellschaft auf schriftlichem Weg statt. Die Beteiligung der Mitglieder an den Abstimmungen und Wahlen war sehr erfreulich und sei an dieser Stelle herzlich verdankt! Sämtliche traktandierten Geschäfte wurden einstimmig angenommen. Unter anderem kann 2021 eine neue Mitgliederkategorie für Student*innen eingeführt werden.

Der neu gewählte Vorstand der Joachim-Raff-Gesellschaft bereitet sich intensiv auf die 200. Geburtstagsfeierlichkeiten von Joachim Raff im nächsten Jahr vor. V.l.n.r.: Gabriel Schwyter, Kommunikation, Dr. Lion Gallusser, Konzertplanung und wissenschaftlicher Beirat, Yvonne Götte, Geschäftsführung, Severin Kolb, Leiter Joachim-Raff-Archiv, Enya Götte, Rechnungswesen, Res Marty, Präsident, Franz-Xaver Risi, Vizepräsident, Dr. Franziska Sagner, Konzertplanung, wissenschaftliche Beirätin. (Foto: Carlo Stuppia)

Vorstand

Mit den beiden Musikwissenschaftlern Viviane Brodmann und Dominik Kreuzer traten zwei verdienstvolle Vorstandsmitglieder zurück. Neu im Vorstand können die Finanz- und Bankfachfrau Enya Götte (Kassierin), die promovierte Musikwissenschaftlerin Franziska Sagner (wissenschaftliche Beirätin und Konzertplanung) und Max Schwyter (Rechnungsprüfer) herzlich willkommen geheissen werden.

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Rezension Urtext-Ausgabe der Streichquartette Nr. 1 & 2

Die Schweizerische Musikzeitung brachte pünktlich zu Joachim Raffs 199. Geburtstag eine Rezension der im letzten Jahr erschienenen Edition von seinen ersten beiden Streichquartetten, die in Zusammenarbeit vom Joachim-Raff-Archiv und Breitkopf & Härtel entstanden ist.

Urtext-Ausgabe der beiden ersten Streichquartette, herausgegeben von Severin Kolb und Stefan König bei Breitkopf & Härtel

Viel Lob findet Markus Fleck für die Edition: „Mit erheblichem Aufwand und einem akribisch genauen kritischen Bericht zur Quellenlage, den jeweiligen editorischen Entscheidungen sowie einem ausführlichen, spannenden Vorwort verdienen sie – besonders auch unter musikwissenschaftlichen Aspekten – hohen Respekt.“ Etwas zwiespältig nimmt er hingegen die edierten Werke auf: „Glänzenden melodischen Einfällen“, „überraschend modernen Effekten“, „wirkungsmächtigen, durch und durch quartettmässig konzipierten Elementen“ stehen für ihn „ausgedehnte, ja man möchte sagen nichtssagende Episoden“ gegenüber, „die die absolut genialischen Juwelen seiner Kunstfertigkeit überschatten“.

Die Joachim-Raff-Gesellschaft hofft, dass die Edition der Verbreitung dieser ambitionierten Stücke hilft. Das Leipziger Quartett hat mit ihrer letztjährigen Einspielung, die auf der neuen Edition basiert, bereits einen ersten Grundstein gelegt. Weitere Quartetteditionen von Edition Nordstern und Breitkopf & Härtel sind in Vorbereitung.

Neue CD veröffentlicht

Das Doppelalbum mit Liedern von Joachim Raff ist soeben bei Sterling Records erschienen. Die CD enthält unter anderem «Drei Lieder von J.G. Fischer» (op. 47) aus Raffs früher Schaffensphase, «Blumensprache» (op. 191) und Lieder aus seinem Zyklus «Blondel de Nesle» (op. 211).

Die Aufnahmen fanden im Frühjahr 2020 im Kulturzentrum Immanuelskirche Wuppertal statt. Interpretiert werden die Werke von Marina Unruh, Frederike Schulten, Lisa Wedekind Wolfgang Klose, Johannes Wedeking und Hedayet Jonas Djeddikar. Weitere Informationen: https://stille-liebe.de/

Neuer Kunstschatz im Raff-Archiv

Dank glücklichen Umständen ist es der Joachim-Raff-Gesellschaft gelungen, ein Bild des bekannten Lachner Malers Hermann Beul zu erstehen. Hermann Beul war der Sohn des ebenfalls sehr bekannten Lachner Malers Marius Beul (1849 – 1914).

Das Gemälde von Hermann Beul (1878 – 1918) mit dem Kloster Einsiedeln und den Wägitaler Bergen im Hintergrund.

Marius Beul erhielt den ersten Zeichenunterricht von Kunstmaler Gangyner, der seinerseits noch bei Franz Josef Raff (Joachim Raffs Vater) das Zeichnen lernte. Zwei Portraits von ihm können ebenfalls im Archiv besichtigt werden. Marius Beul war international tätig (Paris, München, Wien, Budapest, Konstantinopel, Kairo, Jerusalem,…). Er restaurierte u.a. die Pfarrkirche und Kapelle im Ried in Lachen, ebenso gibt es noch ein Gemälde von ihm im Rathaus Lachen. Er ist in Lachen begraben.

Sein Sohn Hermann Beul (1878 – 1918) besuchte die Kunstgewerbeschule Zürich und studierte in Berlin und in Karlsruhe. Auch er restaurierte rund 20 Kirchen in der Schweiz, u.a. auch wieder die Kapelle im Ried in Lachen. Er war sowohl Kirchenmaler als auch Landschaftsmaler. Vor allem die Region um Einsiedeln hat es ihm angetan, was die grosse Anzahl an Gemälden bezeugt. Der Sohn von Hermann Beul ist der bekannte Lachner Komponist Artur Beul (z.B. «Stägel uf, Stägeli ab»). Also auch ein Bezug zur Musik von Lachen. Das Gemälde passt auch deshalb hervorragend ins Raff-Archiv, weil die Eltern von Joachim Raff in Einsiedeln geheiratet haben.

Erlebnisweg Obersee

Am 5. Mai 2021 weihten die Herren Regierungsräte Andreas Barraud (Kanton Schwyz) und Beat Tinner (Kanton St. Gallen) die neue Hörstation „Joachim Raff“ in Lachen ein. Sie ist Bestandteil des Erlebniswegs Obersee, der zum Entdecken der vielen „Perlen am Obersee“ einlädt.

Die Hörstation Joachim Raff befindet sich an Raffs Geburtsstätte, direkt beim Raff-Archiv in Lachen. Weitere Informationen zum Erlebnisweg Obersee unter www.erlebnisweg-obersee.ch

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Ein spektakuläres Autograf von Joachim Raff entdeckt

Die Symphonien des Lachner Komponisten Joachim Raff erklangen im 19. Jahrhundert in aller Welt. Nun wird das momentan einzige bekannte Autograf einer Raff-Symphonie dank eines Autografensammlers ganz in der Nähe seines Geburtsortes Lachen bekannt. [UPDATE: Im Genfer Konservatorium finden sich zudem Autografe von der dritten und der siebten Symphonie – wir danken bestens für den Hinweis!]

Über die Beziehung zu einer Kulturschaffenden aus dem nahen Deutschland wurde dem Joachim-Raff-Archiv bekannt, dass ein bedeutender Autografensammler der Schweiz ein Musikautograf von Joachim Raff (1822-1882) besitzt – quasi vor Lachens Haustüre, in Wetzikon! Die sofortige Kontaktaufnahme mit dem Sammler ergab, dass dieser in der Tat ein Autograf von Joachim Raffs Symphonie Nr. 10 op. 213 mit der Überschrift «Zur Herbstzeit» besitzt. Gerne zeigte er sich dazu bereit, den Verantwortlichen diese einmalige, originale Handschrift zu zeigen und für die Herstellung eines Digitalisats zur Verfügung zu stellen, damit sie im Archiv für Forschungs- und Publikationszwecke genutzt werden kann. Der Sammler und Unternehmer Paul Ruppert verbrachte über vier Stunden mit dem ausgiebigen Studium der bereits in Lachen vorhandenen Sammlerstücke und war voll des Lobes über die sorgfältige, systematische und leidenschaftliche Arbeit im Joachim-Raff-Archiv.

Nach einer Bedenkfrist hat sich das Ehepaar Ruppert dazu entschlossen, das Autograf auf das Jubiläumsjahr 2022 hin, (200. Geburtstag von Joachim Raff) dem Joachim-Raff-Archiv als Schenkung zu übergeben. Diese überaus grosszügige Absicht, dieses auch wissenschaftlich sehr bedeutsamen Manuskripts an die Joachim-Raff-Gesellschaft zu schenken, kann nicht genug gewürdigt werden. Lachen kommt damit in Besitz eines absolut einmaligen Raff Autografen (siehe Box). Ruppert ersteigerte diese Handschrift in einer Auktion bei Sotheby’s in London vor etwa 20 Jahren. Scans dieses Manuskripts können ab sofort im Joachim-Raff-Archiv besichtigt werden (immer samstags zwischen 10:00-17:00 Uhr oder auf Anfrage). Tagtäglich sind die Verantwortlichen des Joachim-Raff-Archivs in Lachen mit Recherchen, Sammlungen, Auktionen und Antiquariaten weltweit beschäftigt, um nach Briefen, Notenmaterialien, Publikationen und sonstigen Fundstücken rund um Joachim Raff zu suchen, diese zu dokumentieren, zu signieren, zu archivieren und, wenn möglich, anzuschaffen (Archiv-Portal).

Autografe sind eigenhändig geschriebene Briefe oder Niederschriften von Werken durch den oder die Urheberin. Sie sind deshalb von höchstem Interesse für die musikwissenschaftliche Forschung, da sie ein bestimmtes Stadium in der Entstehung eines Werks dokumentieren und unter Umständen unklare Stellen einer allfälligen späteren (Druck-)Fassung in ein neues Licht rücken. So auch das Autograf von Raffs Symphonie Nr. 10 «Zur Herbstzeit», die Raff im Sommer und Herbst des Jahres 1879 komponierte. Es handelt sich dabei um ein Arbeitsmanuskript der ersten Fassung des Werks, das zahlreiche Korrekturen und Eintragungen von Raff und einer fremden Hand (wohl vom Dirigenten Louis Lüstner, der die Uraufführung im Jahre 1880 im Kurhaus Wiesbaden dirigierte) aufweist. Für die zweite Fassung ersetzte Raff den dritten Satz, der seiner Frau zu pathetisch schien, durch eine Neukomposition. Auch den Schluss des Finales überarbeitete Raff nochmals. Die ursprüngliche Fassung davon war bisher nicht bekannt – mit dem vorliegenden Manuskript wird diese Lücke geschlossen. Die Reinschriften von gedruckten Werken blieben in Raffs Fall meistens im Besitz des Verlages. Leider fielen zahlreiche Verlagsarchive den Turbulenzen des 20. Jahrhunderts zum Opfer und mit ihnen wohl auch ein grosser Teil von Raffs Reinschriften. Die meisten Arbeitsmanuskripte anderer Werke wird Raff hingegen verschenkt oder gar vernichtet haben. So kam es, dass das Manuskript von Herr Ruppert das momentan einzige bekannte Manuskript einer Raff-Symphonie überhaupt ist. In der heutigen Zeit gibt es leider kaum noch Autografen, weil das meiste mit elektronischen Datenträgern verfasst wird. Das Autograf übt eine besondere Wirkung auf Betrachtende aus. Es ist lebendiges Zeugnis des Verfassers und ermöglicht, in eine direkte Beziehung zu ihm und seinem Werk zu treten.

Der Autografensammler Paul Ruppert präsentiert dem Präsidenten der Joachim-Raff-Gesellschaft einen Teil seiner Autografensammlung u.a. von weltweit bedeutenden Komponisten. Joachim Raffs 10. Symphonie gehört dazu (Foto: Res Marty).