Erst der Anfang: 800 Neueinträge ins Briefverzeichnis aus München

Der erste einer Reihe von Besuchen in der Bayerischen Staatsbibliothek übertraf unsere Erwartungen bei Weitem. Im Rahmen des Archiv-Projektes arbeitet die Joachim-Raff-Gesellschaft an der Erschliessung des umfangreichen Nachlasses von Raff, den seine Tochter der Münchner Bibliothek vermacht hat. Aufgeteilt auf die Signaturen „Raffiana I“ bis „Raffiana XII“ liegen kistenweise Material zu Raffs Leben im Archiv und warten auf die Auswertung. Alleine „Raffiana I“ umfasst zwei grosse Kisten, in denen die von Raff aufbewahrten Briefe alphabetisch nach Absender geordnet abgelegt sind, insgesamt gut 1000 Briefe, zahlreiche davon aus der Feder der führenden Komponisten und Musiker seiner Zeit. Neben über 140 Briefen von Raffs engstem Freund Hans von Bülow finden sich jeweils etliche Briefe von Clara Schumann, Julius Stockhausen, Carl Reinecke, Pablo de Sarasate, Bernhard Cossmann, Joseph Joachim usw., usw. Die langen und intimen Briefe von Raffs Ersatzmutter Kunigunde Heinrich, des Stuttgarter Dichters Gotthold Logau, der das Libretto zur Oper „König Alfred“ schrieb, seines Weimarer „Mitmarls“ Dionys Pruckner oder seines Wiesbadener Dichterfreundes Karl Kösting geben einen spannenden, intimen Einblick in Raffs Wesen als Mensch und in seine Sicht auf das Leben. Die Arbeit hat damit erst begonnen: In „Raffiana II“ warten gut 400 Familienbriefe Raffs auf die Erschliessung, die meisten davon an seine Verlobte und spätere Ehefrau Doris Genast, die oft genug zwischen zehn und zwanzig Seiten umfassen können.

Auf den Spuren eines «denkenden Musikers»: Ein Joachim-Raff-Archiv für Lachen (SZ)

Wie kaum ein anderer Komponist, der auf Schweizer Boden geboren wurde, konnte Joachim Raff (1822–1882) zu Lebzeiten internationale Erfolge feiern und sich zu den meistgespielten Komponisten im deutschen Kulturkreis zählen. Nach seinem Tod geriet sein umfangreiches Oeuvre aber allmählich in Vergessenheit und wurde in der Musikgeschichtsschreibung zur Fussnote degradiert. Doch die Erforschung seiner Biographie und seiner Werke können einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der Musikgeschichte des 19. Jahrhunderts leisten. Mit der Gründung eines Joachim-Raff-Archivs will die Joachim-Raff-Gesellschaft Quellen zu seinem Wirken aufbereiten und der Forschung zugänglich machen. „Auf den Spuren eines «denkenden Musikers»: Ein Joachim-Raff-Archiv für Lachen (SZ)“ weiterlesen

Ein Fortepiano aus Raffs Zeit für die JRG

Für die Joachim Raff Gesellschaft beginnt das Jahr 2017 mit einem Paukenschlag. Heute (am 9.1.) fand die Übergabe eines frisch restaurierten Fortepianos der Marke Bayer aus dem Jahre 1868 statt, das der Tessiner Musikfreund Lorenzo Maria Olgiati der Joachim Raff Gesellschaft kostenlos als Dauerleihgabe zur Verfügung stellt.

von links: Res Mary (JRG), Lorenzo Maria Olgiati (Besitzer des Flügels), Severin Kolb (JRG), Emanuel Lardi (Restaurator), Armin Kölbli (Leiter Musikschule Altendorf), Igor Eriomenco (Mitarbeiter Lardis)  

Zum Bericht von Frieda Suter im March-Anzeiger:

Artikel March Anzeiger 2017_01_10

Das imposante Instrument der geschätzten Wiener Manufaktur Franz Bayer, das die Opuszahl 7 trägt, stammt aus dem Jahr 1868. Die „Zeitschrift für Orgel-, Clavier- und Flügelbau“ (1853, Heft 2, S. 28) schreibt im Rahmen einer Expo über ein früheres Klavier Bayers folgendes Gutachten: „Der Aussteller [Bayer] ist durch 24 Jahre auf dem hiesigen Platze ansässig und geniesst einen ehrenwerthen Ruf, welchen er durch dieses Instrument neuerdings bestätigte. Es war von guter Arbeit und gutem Tone. Bayer hat einen nicht unbedeutenden Absatz im Auslande. Er wurde wegen anerkannter solider Arbeit, Güte des ausgezeichneten Instruments und bewirkter Ausfuhr seiner Erzeugnisse der ehrenvollen Erwähnung würdig befunden.“ Zu den Abnehmern zählte sich zum Beispiel auch der Köthener Hof. Es ist durchaus denkbar, dass Joachim Raff gelegentlich auf einem Flügel dieser Firma gespielt oder komponiert hat. Dank dieser Leihgabe hat man in Zukunft in Lachen Gelegenheit, Raffs Musik in einem historisierenden Klanggewand zu hören.

Olgiatis Hammerflügel befand sich im Nachlass seines Grossvaters Camillo Beretta, eines Advokaten, der zwar selbst nicht musizierte, doch durch das Spiel seiner Frau Noride in den Genuss kam, dieses Instrument zu hören. Der Apfel fiel nicht weit vom Stamm und die Tochter Fiorella Olgiati-Beretta – Lorenzos Mutter – verbrachte ebenfalls viel Zeit am Klavier. Da es in der jetzigen Generation der Familie nur selten verwendet wurde, suchte Lorenzo einen Ort, an dem es Leuten eine Freude bereiten kann und wurde durch die liebenswürdige Vermittlung des Unternehmers Josef Feusi, der sich immer wieder für Raff engagiert, bei der glücklichen JRG fündig.

Mit der sorgfältigen und fachkundigen Restauration wurde Emanuel Lardi betraut, der in Poschiavo eine Werkstatt betreibt, dort zudem seine persönliche Sammlung an antiken Instrumenten ausstellt. Lardi renovierte das Instrument über Jahre hinweg völlig mit den Mitteln der Zeit, aus der es stammt – zum Beispiel unter Verwendung von selbst produziertem Knochenleim, von Saiten aus der damals üblichen Legierung, von sorgfältig gegerbtem Hirschleder, damit das Instrument authentisch bleibt und seinen besonderen Klangcharakter wahrt. Kein Geringerer als Diego Fasolis hat dem Klang dieses schönen Instrumentes einen Kranz gewunden. Das Instrument befindet sich zur Zwischenlagerung in einem Raum der Musikschule Lachen/Altendorf, den deren Schulleiter Armin Kölbli uns dankenswerterweise zur Verfügung stellt, bis die JRG eigene Räumlichkeiten beziehen kann.

Die Joachim Raff Gesellschaft bedankt sich bei Lorenzo Maria Olgiati ganz herzlich für das Vertrauen, das er uns entgegenbringt und freut sich sehr darauf, dieses Schmuckstück so bald wie möglich bei einer Einweihungsfeier zu präsentieren, die den Startschuss zu regelmässigen Konzerten auf diesem Instrument geben soll.

www.lardipiano.com