Eine literarisch-musikalische Schweizerreise mit Joachim Raff in Braunwald

Für seine Werke liess sich Joachim Raff oft von der Landschaft der Schweiz, seinem „Mutterland“, inspirieren. Als gebürtiger Lachner prägte ihn die Lebenswelt am Zürichsee ebenso wie der Eindruck der nahen Alpen, die sogar Einfluss auf seine politisch liberale Einstellung nahmen: „Wir glauben uns für unseren Liberalismus verbürgen zu können, wir haben ihn eingesogen mit der Luft der freien Alpen, an deren Fusse unsere Wiege stand.“ (Allgemeine Wiener Musik-Zeitung 6, 12. Nov. 1846, S. 551).

Am Sonntag (15.1.2017) fand in der BSINTI, einem Literaturcafé im verschneiten Glarner Wintersportort Braunwald, eine intermediale Matinee statt, die sich musikalischen und literarischen Schweizerbildern im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts widmete und der Musik Joachim Raffs dabei einen bedeutenden Stellenwert beimass. Res Marty leitete durch das spannende und unterhaltsame Programm, das einen mal zum Schmunzeln veranlassenden, mal nachdenklich stimmenden Einblick in verschiedene Schweizerbilder der Belle Époque zu geben vermochte. Auf den Spuren von C. F. Meyer, Alexandre Dumas, Therese Bichsel, Thomas Mann und Karl Kraus fügte sich ein faszinierendes Kaleidoskop der dem Wandel unterworfenen Tourismusdestination Schweiz zusammen. Die ausgewählten Texte las Swantje Kammerecker mit viel Einfühlungsvermögen, den Reisekutschenkatastrophenbericht von Dumas genauso wie den etwas unbeholfen ausgefallenen Abschiedsbrief der Brienzer Schifferin Elisabetha Grossmann an ihren Geliebten.

Vilma und Daniel Zbinden, die zusammen ein gut eingespieltes Klavierduo mit viel Raff-Erfahrung bilden, untermalten die Schweizerreise passend mit den mal spritzigen, mal melancholisch verhaltenen lyrischen Stücken für Klavier vierhändig (aus Douze Morceaux, op. 82, 1858/59), die Raff in seinen Wiesbadner Jahren wohl für pädagogische Zwecke vorsah, aber damit dennoch unterschiedlichste poetische Stimmungen evozieren konnte. Zudem wurde die Reise passend bebildert.

Das Publikum der gut besuchten BSINTI zeigte sich angetan von diesem intermedialen Projekt und nahm sich danach Zeit, sich bei einem Mittagessen oder beim Kaffee mit den Beteiligten des Projektes zu unterhalten. Wegen des guten Feedbacks wird geplant, den Anlass andernorts erneut auf die Bühne zu bringen.

Die CD des Zbinden-Duos mit vierhändigen Raff-Stücken (stimmig kombiniert mit Stücken Fabian Müllers und der Lesung eines Textes des bekannten Schriftstellers Tim Krohn, der von Raffs Lebenslauf inspiriert wurde) kann bei den Interpreten erworben werden (www.zbindenduo.ch). Es lohnt sich!

Die BSINTI bot eine überaus gemütliche Kulisse für diese Schweizerreise, zu der die vielen Glarner Spezialitäten einen kulinarischen Beitrag lieferten. Diese Kulturbar hat ein vielseitiges Programm, in das einen Blick zu werfen sich lohnt. Am 3. Februar könnte man zum Beispiel einen Tag im Schnee mit einer Aufführung von Werken für Klavier und Flöte von Roussel, Debussy, Ligeti und Feldman kombinieren.

www.bsinti.ch