Erst der Anfang: 800 Neueinträge ins Briefverzeichnis aus München

Der erste einer Reihe von Besuchen in der Bayerischen Staatsbibliothek übertraf unsere Erwartungen bei Weitem. Im Rahmen des Archiv-Projektes arbeitet die Joachim-Raff-Gesellschaft an der Erschliessung des umfangreichen Nachlasses von Raff, den seine Tochter der Münchner Bibliothek vermacht hat. Aufgeteilt auf die Signaturen „Raffiana I“ bis „Raffiana XII“ liegen kistenweise Material zu Raffs Leben im Archiv und warten auf die Auswertung. Alleine „Raffiana I“ umfasst zwei grosse Kisten, in denen die von Raff aufbewahrten Briefe alphabetisch nach Absender geordnet abgelegt sind, insgesamt gut 1000 Briefe, zahlreiche davon aus der Feder der führenden Komponisten und Musiker seiner Zeit. Neben über 140 Briefen von Raffs engstem Freund Hans von Bülow finden sich jeweils etliche Briefe von Clara Schumann, Julius Stockhausen, Carl Reinecke, Pablo de Sarasate, Bernhard Cossmann, Joseph Joachim usw., usw. Die langen und intimen Briefe von Raffs Ersatzmutter Kunigunde Heinrich, des Stuttgarter Dichters Gotthold Logau, der das Libretto zur Oper „König Alfred“ schrieb, seines Weimarer „Mitmarls“ Dionys Pruckner oder seines Wiesbadener Dichterfreundes Karl Kösting geben einen spannenden, intimen Einblick in Raffs Wesen als Mensch und in seine Sicht auf das Leben. Die Arbeit hat damit erst begonnen: In „Raffiana II“ warten gut 400 Familienbriefe Raffs auf die Erschliessung, die meisten davon an seine Verlobte und spätere Ehefrau Doris Genast, die oft genug zwischen zehn und zwanzig Seiten umfassen können.

Raff in der KunstKlangKirche

Sonntag, 2. Juli, 19.30 Uhr, Johanneskirche Zürich

Orgelkonzert «Made in Switzerland»

Werke von Raff (Introduction und Fuge in e), Honegger (Choral), Wehrli (5 Choralvorspiele), Reichel (Pastorale), Ducommun (3e Suite, Uraufführung) und Bovet (Ricercare & Salamanca)

Eintritt frei – Kollekte – Apéro

Lieder der Maria Stuart

Kürzlich ist bei den bmn-medien in Basel eine neue CD u.a. mit Kompositionen von Joachim Raff erschienen. Die in Basel lebende und arbeitende Sopranistin Franziska Hirzel sowie der Pianist Tobias Schabenberger interpretieren dabei Lieder der Maria Stuart. Dass Raffs Zyklus von Gesängen (op. 172) über Maria Stuart (neben gleichlautenden Werken u.a. von Loew, Schumann. Elgar und Wagner) dazu gehören, freut den Vorstand – und Sie alle bestimmt auch.

Wir zitieren aus dem ausführlichen, dazugehörenden Booklet: «… Raff, der Schumanns 20 Jahre zuvor entstandene Vertonung ‹Gedichte der Königin Maria Stuart, op. 135› mit Sicherheit kannte, schuf einen ganz eigenständigen, musikalisch sehr anspruchsvollen Zyklus, der ein lebendiges Bild Maria Stuarts entstehen lässt und zu entdecken lohnt… Anders als Raffs Zyklus hat sich Schumanns op. 135 im Konzertleben etabliert».

— Res Marty

Auf den Spuren eines «denkenden Musikers»: Ein Joachim-Raff-Archiv für Lachen (SZ)

Wie kaum ein anderer Komponist, der auf Schweizer Boden geboren wurde, konnte Joachim Raff (1822–1882) zu Lebzeiten internationale Erfolge feiern und sich zu den meistgespielten Komponisten im deutschen Kulturkreis zählen. Nach seinem Tod geriet sein umfangreiches Oeuvre aber allmählich in Vergessenheit und wurde in der Musikgeschichtsschreibung zur Fussnote degradiert. Doch die Erforschung seiner Biographie und seiner Werke können einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der Musikgeschichte des 19. Jahrhunderts leisten. Mit der Gründung eines Joachim-Raff-Archivs will die Joachim-Raff-Gesellschaft Quellen zu seinem Wirken aufbereiten und der Forschung zugänglich machen. „Auf den Spuren eines «denkenden Musikers»: Ein Joachim-Raff-Archiv für Lachen (SZ)“ weiterlesen

Werk des Monats: Raffs Klavierquartett c-Moll op. 202,2

Mit den beiden 1876 komponierten, durchaus gewichtigen Klavierquartetten, die er als ein Kontrastpaar unter der Opuszahl 202 veröffentlichte, zeichnet Joachim Raff ein Janusgesicht: Im ersten in G-Dur herrschen unbeschwertere, eher leichte Tonfälle vor, das zweite in c-Moll gehört hingegen zu seinen leidenschaftlichsten Stücken.

Raffs Quartett ist anders als andere Gattungsbeiträge nicht konzertant als Dialog zwischen Klavier und Streichergruppe angelegt. Vielmehr fusst es auf dichtem Klavierklang, der fast durchgehend präsent ist. Der erste Satz, nach Timon Altwegg ein «pianistisch wahr gewordener Albtraum», gewinnt auf diese Weise einen dichten, drängenden, unruhigen Charakter. Die Tonart c-Moll und die Anlage der Sätze verweisen auf das Prinzip «per aspera ad astra», das wie in Beethovens fünfter Symphonie durch das Dunkle ins Licht führt. Das Hauptthema beginnt dramatisch in den untersten Register des Klaviers und schraubt sich bei wachsender Intensität mehr und mehr in die Höhe. Der kontrastierend angelegte Seitensatz in der Durparallele fällt gewissermassen in ein Vakuum, das Raff aber eher mit klagenden als hoffnungsvollen Klängen füllt, die sich auch in der Reprise in C-Dur-Gestalt nicht bleibend etablieren können. Auch das darauf folgende Scherzo ist von drängendem Charakter, wobei es im Mittelteil des Scherzos und im Trio auch lyrische bzw. hymnische Qualitäten entwickelt. Das Hauptthema des langsamen Satzes, der wie jener des Mozart-Quartetts in As-Dur mit harmonisch avancierten Passagen steht, kontrastiert mit einem aufgewühlten Mittelteil in gis-Moll. Wie das Finale von Beethovens Neunter Symphonie beginnt dasjenige von Raffs Quartett mit einem Rezitativ, das sinngemäss «O Freunde, nicht diese Töne» anzustimmen scheint, denn nun folgen «angenehmere»: nämlich spielerisches, lebhaftes C-Dur (wenn auch mit harmonischen Ausbrüchen), das durch einen sehnsuchtsvollen Seitensatz einen Gegenpol erhält. Nach den euphorischen Jahren nach 1870 nahm die Kritik die Flut an neuen Werken aus Raffs Feder ab 1876 etwas verhaltener auf – so findet sich auch im Musikschrifttum der Zeit (so weit wir bisher wissen) wenig Niederschlag zur Rezeption dieser Quartette.

Das Werk wird hier von Jan Schultsz und dem Ensemble Il Trittico aufgeführt. Die empfehlenswerte CD des in Sachen Raff vorbildlichen Labels Divox gibt es hier zu haben:

https://www.exlibris.ch/de/musik/cd/ensemble-il-trittico/piano-quartets/id/7619913209054 

Das Werk wird beim nächsten Konzert der Joachim-Raff-Gesellschaft am 30.4.2017, 17:00, im Reformierten Kirchgemeindehaus aufgeführt. Es spielen Gilles Colliard, Hana Gubenko, Graham Waterhouse und Timon Altwegg. Gespielt wird zudem das Es-Dur-Klavierquartett von Mozart, und Liberty Street von Gilles Colliard wird uraufgeführt.