Anmerkungen zum Konzert vom 29. Oktober 2016

Res Marty, Präsident der Joachim Raff Gesellschaft

  • Die Rhapsodie Abends (Opus 163b) für Orchester ist eine Bearbeitung von Joachim Raff seiner Suite G-dur Opus 163 für das Pianoforte. Die Suite beinhaltet fünf Nummern (Präludium, Allemande, Romance, Menuett, eben Rhapsodie und Gigue-Finale). Raff bearbeitete das Werk im Frühjahr 1874. Erschienen ist es im August 1874. Die Erstaufführung erfolgte am 23. Oktober 1874 im 10. Sinfonie-Konzert des städtischen Orchesters unter Louis Lüstner‘s Leitung im Kurhause zu Wiesbaden. Die ganze Suite Opus 163 für Pianoforte komponierte Raff bereits 1871, ebenfalls in Wiesbaden.
  • Die Ciaconna Bach/Raff hat keine Opus Bezeichnung. Im Schäfer Werkverzeichnis findet es sich unter den übrigen von Raff geschaffenen Werken in der Abteilung IV als Nr. 6. Er bearbeitete Bachs grandioses Stück für Solo-Violine 1873 für das Orchester. Das Werk ist der Philharmonischen Gesellschaft von New York gewidmet. Zweifellos eine Referenz für die Ehrenmitgliedschaft die die New Yorker Philharmoniker Raff 1872 zusammen mit Franz Liszt und Richard Wagner zu teil werden liessen. Es wurde am 20. März 1874 in Wiesbaden in einem Sinfonie-Konzert des städtischen Kurorchesters in Wiesbaden unter Raff’s persönlicher Leitung uraufgeführt. Raff schreibt zu seiner Bearbeitung folgendes:
    «J.S. Bach’s Kompositionen für eine Violine haben, wie jeder weiss, der sie näher kennen gelernt hat, einen so bedeutenden polyphonen Gehalt, dass die Vermutung nahe liegt, sie möchten – zum grösseren Teil wenigstens – ursprünglich gar nicht für Violine gedacht sein, eine Vermutung, die in einigen Fällen bereits durch die Thatsachen bestätigt ist. – Auch mit der Ciaconna verhält es sich unzweifelhaft so; die zahlreichen Ansätze und Verstümmelungen in diesem Stück müssen selbst dem Laien auffallen und ihn auf den Gedanken bringen, dass dasselbe anfänglich in anderer Gestalt vorhanden gewesen und die jetzige ein blosses Arrangement sei. – Dem polyphonen Gehalt, der in der ersten Fassung der Ciaconna gelegen haben muss, nachzuspüren und selbigen im modernen Orchester flüssig zu machen, war nun der Zweck gegenwärtiger Bearbeitung, die kein anderes Verdienst für sich in Anspruch nimmt, als der erste Versuch dieser Art zu sein.»
    In jüngerer Zeit haben sich die Professoren Hans-Joachim Hinrichsen und Dominik Sackmann (Universität Zürich) in der Schrift Bach-Rezeption im Umkreis Franz Liszts, Joseph Joachim Raff und Hans von Bülow mit unter anderem auch diesem Werk musikwissenschaftlich auseinandergesetzt. Das Schriftstück ist 2004 im Carus-Verlag Stuttgart erschienen. Sackmann kommt bei der Werkanalyse auf ein sehr respektvolles und wohlwollendes Ergebnis und attestiert Raff auf Seite 19 u.a.: «…Die Prüfung der gesamten Klavierbearbeitung von Bachs Violin-Ciaconna offenbart, dass – entgegen Feders Ansicht – Raff ebenso subtil wie kenntnisreich mit der Vorlage umging…»

Beide Werke werden in Lachen, dem Geburtsort von Joachim Raff, erstmals aufgeführt. Dies darf wiederum als ein sehr bedeutendes musikalisches und kulturelles Ereignis für Lachen, den Kanton Schwyz und auch gesamtschweizerisch gewertet werden. Die Camerata Schweiz ist ein schweizerisches Spitzenorchester.